GROB.2003
B A S I C S
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Sommer 1999

COMMUNIQUE 1

[English Version]

Wie bei jedem guten Schallplattenlabel steht auch bei GROB der subjektive Faktor zu Beginn: die Macher werden die Musik veröffentlichen, die sie schon immer gerne veröffentlicht sehen wollten. Aber das Bekenntnis zu einer autonomen Arbeitsweise - sich also keinen Verpflichtungen zu unterwerfen, außer denen, die man mit den Musikern eingeht - entbindet nicht von der Reflexion, wie sich das Label zu positionieren gedenkt.
Einerseits gibt es eine Flut von kleinen Labels, die in ihrem Radius überkommene Genregrenzen unterlaufen und Musik zugänglich machen, die aus kulturindustriellen Gründen kaum eine Chance hätte, anderswo veröffentlicht zu werden.
Natürlich will auch GROB an diesem Netzwerk partizipieren, um den Austausch zu organisieren und selten gehörte musikalische Auseinandersetzungen zu dokumentieren.
Andererseits haben die vereinfachten ökonomischen Möglichkeiten, aus denen auch GROB seinen Vorteil zieht, zu einer nie da gewesenen Inflation an freier Musik geführt. Das trifft insbesondere auf die Bereiche der Improvisierten Musik und der nicht-akademischen Avantgarde, die an den Rändern von Jazz, Rock und elektronischer Musik angesiedelt ist, zu.
Da GROB in diese Bereiche intervenieren und die Erforschung jener Ränder vorantreiben will, reicht der gute Geschmack der Produzenten als Legitimation nicht aus. Ob GROB tatsächlich etwas Neues oder unverfänglicher: etwas Substantielles zu den Diskussionen um die Musik hinzuzufügen in der Lage ist, wird sich nach Erscheinen der ersten regulären Veröffentlichungen herausstellen. Bis dahin bleibt der Anspruch der Macher, jene Improvisierte Musik zu fördern und zu veröffentlichen, die sich nicht bekannten Klischees, ob Post-Serialismus, Free Jazz, Free Rock etc., fügt sondern in Auseinandersetzung mit ihnen zu anderen Perspektiven, genauer: zu anderen Einsichten in musikalische Prozesse gelangt. Ohne sich Illusionen über Kommerzialität und Zeitgeistkompatibilität zu machen, will GROB - neben vielen anderen Verlagen und Labels - die Produktivität einer Szene, die im Grunde viel zu heterogen ist, um sie als solche bezeichnen zu können, adäquat zum Ausdruck bringen.

Entstanden ist das Label aus dem Frust über den flüchtigen Charakter der Improvisierten Musik.
In seiner Eigenschaft als Konzertveranstalter, Journalist und begeisterter Fan, der sich konsequent der Improvisierten Musik in all ihren Ausprägungen verschrieben hat, erlebte Felix Klopotek eine Reihen von jenen magischen Momenten, die unwiderruflich verloren gingen: großartige Konzerte, die nicht aufgezeichnet wurden, großartige Gruppen, die nie den Weg zu einer Aufnahmen fanden. Aufgrund der einfachen Möglichkeiten, CDs zu vervielfachen (mittels eines am Rechner angeschlossenen Brenners), entstand schnell bei Klopotek und seinem Freund Simon Görtz die Idee, diesen Frust etwas zu dämpfen und also die Konzerte in Absprache mit den Musikern aufzunehmen und gegebenenfalls zu veröffentlichen. Der Name war schnell gefunden: GROB - wie die Aufnahmetechnik und das unaufwendige Verpackungsdesign, ein mehrfach gefalztes Stück Karton.
Die Idee, Editionen von jeweils 100 Stück manufakturell herzustellen und davon die Hälfte an die Musiker abzutreten, begeisterte auch die aktiv Beteiligten, die Improvisatoren. Aufnahmen mit, Beastieshopbeach (»yellow album«, GROB 002), dem Music In Movement Electronic Orchestra (»queue«, GROB 005), Olaf Rupp (»September«, GROB 006) und Eugene Chadbourne (»Any Other Suggestion?«, GROB 009) wurden eingespielt, produziert und schließlich veröffentlicht. Schon hier zeigte sich, dass die ursprüngliche Idee, Konzertmitschnitte zugänglich zu machen, nicht funktionierte. Die Musiker nahmen z.T. exklusiv für GROB auf, was einen Aufwand darstellte, der durch die geringe Stückzahl der veröffentlichten CDs nicht gerechtfertigt war. Außerdem war die Nachfrage nach den CDs ungewöhnlich hoch. Und schließlich ist die selbstgebrannte CD ein unbefriedigendes Medium. Es ist eine zeitlich anstrengende und unnötige Kosten verursachende Tätigkeit, selber die Tonträger zu brennen und selber das Cover zu basteln.
Die Idee, die Labelarbeit zu professionalisieren, also »richtige« CDs zu produzieren und diese auch allgemein verfügbar zu machen, nahm konkrete Gestalt an.
Mit Joseph Suchy, einem erfahrenen, wenn auch enigmatischen Musiker und Labelproduzenten (u.a. Gefriem), wurde ein weiterer Partner gefunden, mit dem sich nun der Schritt realisieren ließ, reguläre CDs in angemesseneren Auflagen zu veröffentlichen.
Joseph Suchy ist als Gitarrist kompromissloser Improvisator und ein kongenialer Erbe des Post-Jimi-Hendrix-Kontinuums.
Seine Kenntnis der künstlerischen wie der vertriebstechnischen Materie ist für den Produktionsprozess unverzichtbar.

Simon Görtz
Felix Klopotek
Josef Suchy
Hans GROB - Founder of GROB
Hans Grob - Founder of GROB
Hans Grob ist der wahre Pate des Kölner Untergrunds. Es wird gesagt, dass Konzerte erst dann beginnen, wenn Hans Grob seinen Platz in der ersten Reihe eingenommen hat, seinen höllisch starken Kaffee trinkend.
Als extrem neurotisch-überspannter und größenwahnsinniger Charakter verließ er das Label kurz nach dem er Felix Klopotek half, GROB ins Leben zu rufen. Das Betätigungsfeld Hans Grobs ist schlichtweg zu groß um "nur" die Platten anderer Leute zu produzieren.
Er bevorzugt es live mit seiner elektrischen Gibsongitarre aufzutreten. Er spielt mit den Free Noise Gruppen Jaruzelski, Koro (mit Joseph Suchy), Elektroschock und Sensitive Sisters (mit Peter Brötzmann, Christoph Winkel und Willi Kellers). Bei seinen eigenen Konzerten taucht er meistens als letzter auf, manchmal auch gar nicht.
Er zieht es vor in der Öffentlichkeit nicht zu sprechen, aber er beantwortet E-Mails: doxosoph@hotmail.com

Besuchen Sie Hans Grob in der GROB Photogalerie.

ich gestehe,
ich habe keine hoffnung.
die blinden reden von einem ausweg,
ich sehe.
wenn die irrtümer verbraucht sind,
sitzt als letzter gesellschafter
uns das nichts gegenüber.
bertolt brecht